Werbung, Reklame oder Sponsored Post

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Heute möchte ich über ein mehr oder weniger ernstes Thema sprechen. Immer wieder höre ich Hiobsbotschaften von Bloggerinnen und Bloggern, die davon berichten, dass sie böse Kommentare von Lesern bekommen oder dass sie Follower verlieren, wenn Sie auf ihren Blogs Werbung für Produkte machen.

Das Wort Werbung ist böse. Aber fangen wir mal ganz von vorne an.

Ich glaube jeder Blogger hat aus einem einzigen Grund angefangen zu bloggen: Aus Spaß am Schreiben, der Freude am Kochen und Backen, wenn wir von Foodblogs sprechen. Die Lust sein Essen zu fotografieren und es öffentlich zur Schau zu stellen. Dazu kann man jetzt stehen, wie man will. Wir Foodblogger lieben das.

An Geld, oder Monetarisierung, wie man das heutzutage nennt, war dabei gar nicht zu denken. Geld sollte da auch gar nicht im Vordergrund stehen.

Irgendwann, wenn der Blog wächst und wächst, sich Beliebtheit erfreut und die Leserzahlen steigen, bekommt man plötzlich eMails mit Anfragen zur Kooperation und Angebote. Ich kann Euch versichern, ich fand das ganz am Anfang ganz schön befremdlich. „Möchtest Du unser Produkt ausprobieren?“, „Würdest Du mal was über uns schreiben?“ Wie reagiert man darauf? Wie geht man damit um? Nun, ehrlich? Man freut sich ein Loch in den Bauch, wenn man merkt, dass der eigene Blog beachtet wird. Von Lesern. Aber auch von Marken.

Und man denkt sich: Ja klar würde ich gerne das Produkt probieren. Und ja, ich würde gerne darüber schreiben. Aber, und jetzt kommt der Haken an der Sache. Unwissend wie man anfangs ist, damit macht man Werbung.

Nicht nur Google liebt Blogs, auch Unternehmen. Warum? Blogger sind kreativ, können meistens ganz gut schreiben und „produzieren guten Content“, zu Deutsch: Sie schreiben tolle Artikel. Und sie sind authentisch. Sie sind echt. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, dann schreiben sie das auch so. Andersrum aber ebenso.

Wir Blogger gehen mit offenen Augen durch die Welt und entwickeln ein Gespür für Trends. Ganz besonders sieht man das bei den Bloggerkolleginnen und Kollegen aus dem Fashion und Beauty Bereich. Ja, man kann sagen, wir sind ein bisschen sowas wie Trendscouts. Unsere Meinung und unsere Authentizität wird geschätzt und ist gefragt. Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite und geben Tipps zu den Dingen die wir lieben und in denen wir uns, wenn auch oft ungelernt, ein ordentliches Know-How angeeignet haben.

Unsere Follower lesen unsere Blogs, wie das Lieblingsmagazin. Auch wenn Printmedien immer ihre Daseinsberechtigung haben und diese auch niemals verlieren werden (hoffe ich zumindest), so erfreuen sich Blogs immer mehr Beliebtheit und sie werden mittlerweile größtenteils als gleichberechtigtes Medium anerkannt.

Für ein Magazin bezahlt der Kunde Geld. Genauso wie für ein Buch. Auf unseren Blogs liest man gratis. Jeder der einen Internetzugang hat, ob zu Hause oder auf dem Smartphone, kann sich in der Welt der Blogs Inspiration, Tipps, Anleitung und Rezepte holen. Jederzeit und, wie gesagt, vollkommen kostenlos.

Ich kann nur für mich als Foodblogger sprechen. Mein Foodblog ist mein Hobby. Ein Hobby, dass ich liebe und für das ich eine Menge Geld ausgebe. Geld ausgeben für einen Foodblog? Ja, das geht. Nicht nur für Magazine und Backbücher, auch für schönes Geschirr, Besteck, Servietten, und und und.

Nicht zu vergessen die Providerkosten, die Kosten für Domain und Server. Und: Die Zutaten sind ja auch noch da. Na gut, jetzt mag man denken „Ahja, den Kuchen isst er ja auch.“ Klaro, ich backe ja nicht um ihn wegzuschmeißen. Aber würde ich so viel und so oft backen, wenn ich nicht Lust dazu hätte, Euch mit meinen Backwerken zu erfreuen? Weiß man nicht.

Ich will mich hier aber auch nicht rechtfertigen. Ein Blog kostet nicht nur Zeit, sondern auch Kohle. Und wieviel, wird oftmals unterschätzt.

Viele Leute glauben auch, wir Blogger bekämen sowieso alles geschenkt und müssten nichts bezahlen. Pustekuchen! Wenn ich eine besondere Backform brauche, um eine meiner Ideen umzusetzen, dann gehe ich ins Fachgeschäft und kaufe sie dort. Meine Küchenmaschine etwa, war auch nicht geschenkt, die habe ich mir vom Mund abgespart. Ok, das klingt jetzt wahrscheinlich dramatischer als es ist, aber ja, ich habe darauf gespart. Und das eine ganze Weile. Das kann ich Euch versichern.

So, jetzt kommt also plötzlich ein Unternehmen und fragt uns Blogger, ob wir einen Artikel zu einem bestimmten Thema oder Produkt schreiben wollen. Und sie bieten einem vielleicht auch eine finanzielle Entschädigung an. Weil sie mittlerweile mitbekommen haben, dass das Bloggen tatsächlich auch Arbeit ist. Backen, Fotografieren, Bilder bearbeiten, Artikel schreiben, und was da sonst noch so dazu gehört. Mit einem Blogpost, je nach Umfang, kann man schon mal von vorne bis hinten, von der Idee bis zum fertigen Beitrag, bis zu 11 Stunden beschäftigt sein. Sicherlich nicht immer, aber es kommt vor.

Ein Unternehmen bietet mir also einen Obolus an, für einen Artikel. Hm, Geld nehmen für etwas was mir Spaß macht? Was spricht dagegen? Von dem Geld könnte ich mir ein neues Waffeleisen kaufen, was ich für die Weihnachtswaffeln brauchen kann. Oder ich kaufe mir eine neues Schneidebrett. Ich glaube, da fallen einem unzählige Möglichkeiten ein. Vielleicht hat man aber auch einfach eine Idee und da passt eine Kooperation mit einer Marke wunderbar.

Grundsätzlich, und da spreche ich für mich und sicherlich auch für viele meiner Bloggerkolleginnen und Kollegen. Ich wäge gut ab und überlege mir, ob eine Marke zum Kuchenbäcker und auf diesen Blog passt. Dinge von denen ich nicht restlos überzeugt bin, lehne ich ab. Ich sage lieber einmal mehr nein, als hinterher unglücklich zu sein mit einer Kooperation.

Und selbst wenn ein Unternehmen mir eine Aufwandsentschädigung zukommen lässt für einen Artikel, so hat der Auftraggeber, so ist es bei mir jedenfalls, kein Mitspracherecht bei dem was ich schreibe und wie ich es tue. Jeder meiner Artikel, ob in Kooperation entstanden oder nicht, trägt meine Handschrift, meine Ausdrucksweise und vor allem meine Meinung. Ihr könnt Euch darauf verlassen, dass ich auch ehrlich schreibe, wenn ich ein Produkt semioptimal oder gar schlecht finde. Und das wissen die Unternehmen mittlerweile auch. Ein Blogger ist gnadenlos ehrlich und auch deshalb schätzt man die Blogger, auch wenn man ein gewisses Risiko eingeht und in Kauf nehmen muss, dass ein Blogger auch etwas negatives schreiben könnte.

Wenn ich also ein Produkt verwende oder einen Artikel schreibe, der im Rahmen einer Kooperation entstanden ist, verkaufe ich gewiss nicht meine Seele. An meiner Glaubwürdigkeit kratzt das überhaupt nicht. Weil ich trotzdem schreibe was ich denke und wie mir der Schnabel gewachsen ist.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann finde ich das Wort Werbung oder Anzeige, was Ihr sicher aus Magazinen und Zeitschriften kennt, ziemlich doof. Denn wenn ich einen Artikel schreibe, der meiner Feder entstammt, ich ein Rezept verblogge, dann ist das immer noch meine Idee, meine Schreibe und meine Meinung. Ich verwende ein Produkt aus Überzeugung oder eben nicht. Ich empfehle Euch ein Produkt, welches ich gut finde. Würde ich Euch irgendeinen Schund empfehlen, würde das negativ auf mich zurückfallen. Ihr würdet gar denken, was hat er uns den da für einen Scheiß empfohlen? Das wäre nicht in meinem Sinn.

Wie dem auch sei, in Zeitschriften müssen sogenannte Advertorials als Anzeige oder Werbung gekennzeichnet sein. Das verlangt der Gesetzgeber. Und nein, „Sponsored“ oder „Promotion“ geht nicht, auch wenn es wohl etwas charmanter klingt. Denn deutsches Recht verlangt, dass jeder direkt erkennt, dass es sich um eine Anzeige handelt. Und das gleiche gilt für uns Blogger. Auch wenn ich das Wort Werbung hart finde und ja, auch irgendwie böse. Denn für mein Gefühl ist es keine Werbung, die mit nem Fernsehspot oder einer Zeitungsbeilage vergleichbar ist. Meine Artikel enthalten viel von mir persönlich und ich preise Euch Produkte nicht an wie auf dem Hamburger Fischmarkt, wenn Ihr versteht was ich meine. Hoffe ich mal.

Wenn ich mal Geld bekomme, dann fließt das zu 100% in meinen Blog. Ich bezahle meinen Server davon, kann mir ein neues Objektiv für meine Kamera anschaffen, um meine Fotografie zu verbessern oder ich kaufe die Hardware oder Zutaten, die ich für meine Beiträge benötige. Dabei bleibe ich mir selber treu und bin unbeeinflussbar. Meine Meinung kann man NICHT kaufen. Würde es so sein, müsste ich aufhören zu bloggen, denn Transparenz und Ehrlichkeit stehen bei mir an oberster Stelle.

Vielleicht habt Ihr in der vergangen Zeit in den Medien die Diskussion über Schleichwerbung in Blogs und Youtube Videos mitbekommen. Es gibt unzählige Blogger und Vlogger, die Werbung machen ohne sie zu kennzeichen. Sie zeigen Produkte und der Follower merkt gar nicht, dass der- oder diejenige dafür Geld gesehen hat, dass das Produkt im Hintergrund steht oder es erwähnt wird. Das ist nicht ehrlich. Und vor allem nicht rechtens. Deshalb werde ich zukünftig Blogbeiträge, die in Kooperation entstanden sind, ganz egal ob ich Geld oder ein Produkt bekommen habe mit dem Satz: „Dieser Beitrag enthält Werbung“ kennzeichnen. So wie es das Gesetz vorschreibt. Und das lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Ich will dabei nicht nur auf der sicheren Seite sein, sondern auch ehrlich und transparent meinen Lesern gegenüber. Und Ihr könnt entscheiden, ob Ihr den Beitrag lesen wollt oder nicht.

Außerdem ermöglichen Kooperationen manchmal Beiträge und Projekte, die ohne vielleicht nicht umzusetzen gewesen wären. Somit profitiert auch der Leser davon, denn er bekommt einen tollen Artikel zu lesen. Und das vollkommen gratis.

Vielleicht versteht Ihr was ich meine. Ihr könnt mich auch gerne anschreiben und fragen, wenn Ihr etwas wissen möchtet. Ich habe Euch nichts zu verbergen. Der Kuchenbäcker ist keine billige Werbefläche und wird es auch nie sein. Darauf gebe ich Euch mein Wort. Mein Indianerehrenwort!

Ich freue mich, dass Du, ja genau Du, hier bist und meinen Blog besuchst, liest und Dich daran erfreust. Und es wäre toll, wenn Du das auch in Zukunft tust, auch wenn ich hier und da Kooperationen eingehe.

 

 

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5 Kommentare

  1. Lieber Tobias!
    Ich unterschreibe jedes deiner Worte. Ich kennzeichne schon sehr lange mit dem Wörtchen {Werbung} zu Beginn des Post und somit kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er weiterlesen möchte. Bislang habe ich noch keine negativen Erfahrungen gemacht.
    Ganz liebe Grüße,
    Jessica

  2. Danke für diesen wunderbaren und ehrlichen Beitrag. Du sprichst mir da auf dem Bloggerherzen.

  3. Pingback: Deliveroo - Der etwas andere Lieferservice in Frankfurt |

  4. Die Idee einen Beitrag zu schreiben, was es mit der „Werbung“ auf sich hat, finde ich gut. Darf ich deine Idee nutzen und diese auf meinen Blog übertragen?

    Viele Grüße
    Zwinkerling

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